Das Ruhrgebiet
Das Ruhrgebiet ist nach London und Paris der drittgrößte Ballungsraum in Europa. Statistische und räumliche Grundlage bildet das Verbandsgebiet des Regionalverband Ruhr (RVR). In dem polyzentrischen Raum leben ca. 5,3 Millionen Einwohner auf einer Fläche von knapp 4.450 km2. Er setzt sich zusammen aus 53 Gemeinden mit den kreisfreien Städten Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Mülheim, Oberhausen sowie den Kreisen Ennepe-Ruhr-Kreis, Recklinghausen, Unna und Wesel. Vier Städte haben mehr als 350.000 und sechs weitere über 150.000 Einwohner.
Die Region ist Sitz von 156.000 steuerpflichtigen Unternehmen. In der Region existieren sechs Industrie- und Handelskammern sowie drei Handwerkskammern. Insgesamt gibt es 2,1 Millionen Erwerbstätige von denen 1,48 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte sind. Von den Erwerbstätigen sind 2/3 im Dienstleistungssektor und ein knappes Drittel im produzierenden Gewerbe tätig. Mehr als die Hälfte (51,4 %) der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten pendeln aus einer anderen Stadt zu ihrem Arbeitsplatz. Somit arbeiten gut 720.000 Personen an ihrem Wohnort. Insgesamt ist die Zahl der Einpendler und der Auspendler in den letzten zehn Jahren deutlich angestiegen; ein Hinweis auf eine höhere Mobilität der Beschäftigten. Die beiden Großstädte Dortmund und Essen weisen die höchsten Einpendlerüberschüsse auf, während die kreisangehörigen Gemeinden überwiegend Auspendlerüberschüsse aufweisen.
Diese Zahlen zeigen bereits das hohe Potenzial für Mobilitätsmanagementkonzepte in der Region. Hinzu kommen noch ca. 170.000 Studierende an 5 Universitätsstandorten und 10 Fachhochschulen, die ebenfalls innerhalb und von außerhalb in die Region pendeln.
Das Potenzial für effiziente Mobilität im Ruhrgebiet
Das Ruhrgebiet ist eine mit Straßen besonders gut erschlossene Region. Neben dem dichten Straßennetz verfügt das Ruhrgebiet über ein dichtes Schienen- und ÖPNV-Netz. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr transportiert zusammen mit den lokalen Verkehrsunternehmen 2,1 Millionen Fahrgäste täglich. Hauptachse sowohl im Straßen- als auch Schienenverkehr ist die West-Ost-Verbindung. Das Ruhrgebiet ist eingebunden in das landesweite Radwegenetzt NRW. Es handelt sich hierbei um ein Netz, das überwiegend dem Alltagradverkehr dient und die Gemeinden miteinander verknüpft. Eine einheitliche Wegweisung, schnelle Verbindungen zwischen den Zentren und kurze Wege zu den Bahnhöfen stehen im Vordergrund. Ergänzt wird das Netz durch die lokalen Radwegenetze in den einzelnen Städten und Gemeinden.
Insgesamt gibt es allein aufgrund der hohen Anzahl Beschäftigter und Pendler in der Region ein großes Potenzial für die die Verlagerung von motorisiertem Individualverkehr auf klimaschonende Verkehrsmittel bzw. für eine effektivere Auslastung der Individualverkehrsmittel durch Mobilitätsmanagement. Die in den morgendlichen und abendlichen Berufsspitzen auftretenden Staus auf einigen Straßenabschnitten sowie die zu den selben Zeiten übervollen Zügen führen neben Investitionen in Verkehrsinfrastruktur in der Region auch dazu, über Aktivitäten im Mobilitätsmanagement nachzudenken. Dies gilt nicht nur für die Kommunen (auch als Arbeitgeber) sondern auch für weitere Akteure wie Verkehrsunternehmen, IHK's, Wirtschaftsförderung, Gewerkschaften und Arbeitgeber. Zahlreiche Anknüpfungspunkte bieten sich über die Aktivitäten in der Region zum Klimaschutz und zur Luftreinhaltung.
Mobilitätsmanagement im Ruhrgebiet
Zur Zeit existiert jedoch noch keine institutionalisierte Mobilitätsberatung wie in einigen anderen Regionen Deutschlands. Gleichwohl gibt es eine Reihe von Anknüpfungspunkten auf der lokalen und der regionalen Ebene. Der Luftreinhalteplan Ruhrgebiet mit seinen drei Teilplänen Nord , West und Ost sieht im Verkehrsbereich einige Maßnahmen vor, die zu einer weiteren Stärkung des Umweltverbundes führen bzw. zum Klimaschutz in der Region beitragen. Unter diesen Maßnahmen befinden sich in den meisten Kommunen auch Maßnahmen aus dem Bereich Mobilitätsmanagement. Viele Kommunen sind darüber hinaus seit langem im Klimaschutzes mit Leitbildern, Selbstverpflichtungserklärungen sowie konkreten Projekten tätig. Die Aktivitäten reichen von der Beteiligung am European Energy Award über Ökoprofit, Klimaaktionsplänen, der Beteiligung am Pendlernetz bis hin zu konkreten Einzelprojekten wie Mobilitätskonzepte für Gewerbestandorte oder betriebliches Mobilitätsmanagement in einzelnen Betrieben und Verwaltungen.
Das regionale Netzwerk im Ruhrgebiet
Aufgrund der Regionsgröße mit 5,3 Millionen Einwohnern, der Vielzahl kommunaler Gebietskörperschaften, unterschiedlicher Industrie- und Handelskammern, mehreren Verkehrsunternehmen etc. erfolgt im Rahmen von "effizient mobil" anstatt eines flächendeckenden Ansatzes zunächst eine Kontaktaufnahme dort, wo geeignete Anknüpfungspunkte für eine erfolgreiche Startphase des Aktionsprogramms in der Region gesehen werden.
Als erste Schritte sind Gespräche mit den leitenden Verkehrsplanern, Wirtschaftsförderern sowie den Umweltämtern der großen Städte in der Region, den Verkehrsreferenten der sechs Industrie- und Handelskammern des Ruhrgebietes sowie dem DGB und ver.di vorgesehen. Beteiligt werden an den Gesprächen ebenfalls Vertreter aus dem Marketingbereich des VRR sowie der verschiedenen lokalen Verkehrsunternehmen. Parallel dazu werden Gespräche mit bereits bekannten interessierten Unternehmen geführt.
Die Gespräche dienen der Vorbereitung von zwei Workshops und der Akquisition von Betrieben mit Interesse an den Workshops, an den Best-practice-Wettbewerben sowie den kostenlosen Erstberatungen in der Region.
Gleichzeitig werden Informationen zu "effizient mobil" so breit wie möglich über die Presse, Firmenverteiler der Industrie- und Handelskammern, der Handwerkskammern, der Einzelhandelsverbände oder der kommunalen Gebietskörperschaften gestreut.
Hauptstrategie ist somit: vorhandene Ansätze zu finden und zu erschließen sowie sich bietende Chancen zu nutzen, also nicht die Fokussierung auf bestimmte Institutionen oder Branchen. An eine erfolgreiche Startphase anknüpfend können dann über eine entsprechend positive Berichterstattung in den Medien bzw. in eigener Regie, weitere Betriebe und Kommunen interessiert und eingeworben werden.
Ein weiteres Ziel ist es, tragfähige Strukturen zu identifizieren bzw. zu entwickeln, die es ermöglichen, ein dauerhaftes Netzwerk Mobilitätsmanagement über die Laufzeit des Programms hinaus in der Region zu etablieren. Hierzu sollen überregionale Verbände frühzeitig eingebunden werden.
