Die Region Halle/Leipzig
Der Wirtschaftsraum Halle/Leipzig mit rund 1,9 Millionen Einwohnern umfasst Teile von Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die Kerne der Region stellen die Oberzentren Leipzig, Halle(Saale) und Dessau-Roßlau dar, hinzu kommen 14 Mittelzentren in den Landkreisen Anhalt-Bitterfeld, Burgenlandkreis, Leipzig, Nordsachsen und Saalekreis.
Bis zum Ende der DDR war die Region industriell geprägt, durch den Wegfall von rund 90 % der Industriearbeitsplätze setzten seit 1990 eine starke Abwanderung und ein demographischer Wandel ein. Außerhalb der (wachsenden) Stadt Leipzig ist die Bevölkerung in den letzen Jahren flächenhaft rückläufig (mehr als 1 % pro Jahr), mehrere Mittelzentren haben in drei Jahren über 5 % ihrer Einwohner verloren.
Im Sinne der Wirtschaftsförderung wurden die Verkehrsinfrastrukturen auf Straße und Schiene sowie der Flughafen großzügig ausgebaut. Seit 2001 kam es zu mehreren großen Industrieansiedlungen außerhalb der städtischen Kerne.
Das Potenzial für effiziente Mobilität in Halle/Leipzig
Die Voraussetzungen für die Einführung von Mobilitätsmanagement in der Region unterscheiden sich insbesondere dadurch von westdeutschen Regionen, dass der Autoverkehr derzeit so attraktiv ist, dass das Umsteigen auf andere Verkehrsmittel nicht auf der Hand liegt:
- Die Straßeninfrastruktur ermöglicht zu allen Tageszeiten fließenden Verkehr, auch in der Hauptverkehrszeit treten Staus nur bei Baustellen auf.
- Das Flächenangebot ist auch innerhalb der Städte meist ausreichend, um im Umfeld der Unternehmen kostenlose Parkplätze anzubieten, Brachflächen werden teilweise zu Parkplätzen umgewidmet, Parkraumbewirtschaftung findet nur in eng begrenzten Stadtkernen statt.
- Große Unternehmen und Verkehrsziele sind teilweise abseits der Achsen des öffentlichen Verkehrs entstanden, aber ideal an die Autobahn angebunden (z. B. BMW-Werk Leipzig, Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen, Freizeitpark Belantis südlich von Leipzig).
- Der Pendler-Einzugsbereich vieler Unternehmen ist sehr großräumig, da die Beschäftigten im ländlichen Umland oft bereit sind, lange Arbeitswege in Kauf zu nehmen.
Mobilitätsmanagement in Halle/Leipzig
In der Region Halle/Leipzig bestehen etwa seit Mitte der 1990er Jahre Ansätze zum Mobilitätsmanagement. Als erste Mobilitätszentrale der Region kann die Einrichtung der Vetter-Bus GmbH in Wolfen-Nord gelten, die von März 1996 bis September 2004 bestand. Weitere Mobilitätszentralen entstanden Ende 1999 in Dessau und Halle und Anfang 2001 in Leipzig. 1997 vernetzten sich die regionalen Akteure durch die Gründung des "Förderkreises für Mobilitätszentralen in Mitteldeutschland", (MzM, später "Förderkreis für Mobilitätszentralen und Mobilitätsmanagement").
Ansätze eines Mobilitätsmanagements am Wohnort (Beratung von Neubürgern und Umzüglern) wurden in den letzten Jahren von der Halleschen Verkehrs-AG (HAVAG) in Halle verfolgt. Eine Dissertation am Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH (UFZ) befasst sich derzeit mit der Evaluierung der Wirkungen der Mobilitätsberatung für Mieter einer Wohnungsgenossenschaft. Erste Ansätze für das betriebliche Mobilitätsmanagement bieten das 2007 eingeführte Jobticket-Angebot des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds (MDV) sowie die Nutzung von Car-Sharing durch mehr als 100 Unternehmen. Der MDV bietet seit 2008 auch verstärkt individuelle Mobilitätsberatungen für Beschäftigte an.
Das regionale Netzwerk in Halle/Leipzig
Seit dem Start von "effizient mobil" haben die städtischen Verkehrsbetriebe in Leipzig (LVB), Halle (HAVAG) und Dessau (DVG), der Mitteldeutsche Verkehrsverbund, der Car-Sharing-Anbieter teilAuto und die Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs (NASA und ZVNL) eine Beteiligung zugesagt.
Die beiden Industrie- und Handelskammern der Region unterstützen das Projekt durch die Bereitstellung von Unternehmensadressen.
Aus mehreren Stadtverwaltungen wurde Interesse an den für März 2009 geplanten Workshops bekundet.

